Religionslehrer sprachen mit Bischof Schwaderlapp

Kaum zu glauben, aber so stand es am 27. Mai 2019 in der „Wuppertaler Rundschau“. Die turnusmäßige „Visitation zum Erfahrungsaustausch“ ist zwar schon eine Weile her. Aber dem Bericht waren keine relevanten Fragestellungen zu entnehmen. So kommen auch diese Anmerkungen nicht zu spät.

Es stand geschrieben – im Zeitungsbericht, die bergischen Religionslehrer (die katholischen) hätten mit einem Weihbischof Schwaderlapp (!) über „Freuden und Sorgen, die sie beschäftigen“ gesprochen und „über angenehme aber auch über weniger erfreuliche Entwicklungen des Schulalltags“. Vielleicht haben die Lehrerinnen der Laurentius-Hauptschule über den Ärger erwähnt, den sie sich eingebrockt hatten wegen einer muslimischen Schülerin. Die wollte nämlich an deren kath. Gottesdienst teilnehmen, was die Schule seinerzeit erfolgreich verhinderte. Das hatte ihr dann Ärger eingebracht.

Der (katholische) Schul-Referatsleiter Michael Neumann machte darauf aufmerksam, dass „Religionsunterricht ein wichtiger Bestandteil gesellschaftlicher Bildung sein kann“. So ließ sich tatsächlich aus den damaligen Vorgängen Wichtiges lernen.

Weiter im Rundschau-Bericht: „Die Aufgabe des Religionsunterrichts ist es, dass Schüler dazu befähigt werden, sich ein eigenes und vernunftbegabtes Urteil über Religion bilden zu können.“ Dazu der Bischof Sprichtleichtfertig: „Religionslehrer sind wichtige Ansprechpartner, die nicht missionieren …“.

Mit dieser Ansicht verlässt der Herr Bischof allerdings den Boden höchstrichterlicher Rechtsprechung! Das Bundesverfassungsgericht hatte 1987 in einer Urteilsbegründung mit Bezug zum Religionsunterricht festgestellt: „Gegenstand ist der Bekenntnisinhalt, die Glaubenssätze der jeweiligen Glaubensgemeinschaft. Diese als bestehende Wahrheiten zu vermitteln, ist seine Aufgabe.“

Darum geht es also: religiöse Offenbarungslehre, Mission! Um den aufklärerischen Bildungsauftrag formal zu retten, ist die staatlicher Aufsicht über den Reli-Unterricht gem. Art 7 (3) Grundgesetz vorgesehen. Also nichts mit Integration oder Mündigkeit oder ähnlichen alt-liberalen oder neo-demokratischen Flausen: Religionsunterricht macht unmündig.

Abschließend wird im o.g. Zeitungsbericht festgehalten: „Über 84.000 Schüler zählen die Bergischen Städte Wuppertal, Solingen und Remscheid. Davon sind rund 20 Prozent Katholiken.“ Die Zahl klingt eindrucksvoll.

Allerdings gibt es allein in Wuppertal eine größere Anzahl Schüler/innen, die völlig religionsfrei sind. Nunja, Katholik/innen sind im Bergischen quasi eine religiöse Minderheit. Schon vor zwei Jahren stellten die religionsfreien Einwohner mit rund einem Drittel die stärkste Bevölkerungsgruppe in Wuppertal – noch vor den Evangelischen, die inzwischen nur noch knapp 30% ausmachen.

Seit langem fordern nicht nur Atheist/innen für NRW ein allgemeines Unterrichtsfach „Ethik, Religionen, Weltanschauungen“ in allen Schulen. Für die Klassen 5 bis 10 wird immerhin das Fach „Praktische Philosophie“ angeboten – für alle Nicht-Christen. In Wuppertaler Grundschulen allerdings müssen die Lehrer/innen jede Woche rund 4.000 „Heiden hüten“, während die Religiösen etwas über ihre Glaubenssätze erfahren.

Erfreulicherweise hatte sich die Gewerkschaft der Lehrkräfte (GEW) unlängst zu einem allgemeinen „bekenntnis-unabhängigen Werteunterricht in der Grundschule“ durchgerungen. Herausgekommen ist in dieser Hinsicht bisher nichts. Ein förderliches Engagement ist allseits nicht erkennbar.

So hat das neue Schuljahr für die lieben Kleinen wieder mal mit einem Schulgottes-Dienst begonnen. Tapfere Eltern können das verweigern – und ihre Kinder gleich vom Reli-Unterricht abmelden.

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