Neues Schuljahr – ohne Ethikunterricht an Grundschulen

Seit der Ablehnung der grünen Landtagsinitiative „Philosophie verleiht Flügel“ Anfang diesen Jahres ist in Sachen „Ethik-Unterricht an Grundschulen“ in NRW nichts weiter geschehen. Erwartungsgemäß war der Grünen-Vorschlag von CDU und FDP bereits im Schulausschuss abgelehnt worden und die SPD hatte sich wie auch die AfD enthalten. Die außerparlamentarische Partei DieLinke.NRW hätte ggf. zugestimmt. Das ist an dieser Stelle insofern interessant, weil in den beiden vorangegangenen Parlamentsperioden eine entsprechende Mehrheit für einen vergleichbaren Antrag vorhanden gewesen wäre. Auch die Umsetzung hätte u.U. einfacher sein können bei einer damals grünen Schulministerin – hätte, wäre…

Lediglich der Ausbau weiterer Religionsunterrichte in NRW ist fortgeführt worden. Per Erlass vom 4. Juli machte die FDP-Schulministerin noch einmal auf die eingeführten Grundschul-Lehrpläne für „Jüdische Religionslehre“ (532 Schüler/innen), „Orthodoxe Religionslehre“ (14.200) sowie „Syrisch-Orthodoxe Religionslehre“ (1.396) aufmerksam. *) Die Schulen sollen den Eltern die inzwischen ausgedruckten Religionslehrpläne zugänglich machen. Bereits Anfang des Jahres wurde der Lehrplan-Entwurf für den Grundschul-„Religionsunterricht nach den Grundsätzen der Mennoniten-Brüdergemeinden“ (307) vorgestellt. *)

Quasi vom Hörsaal in den Unterricht gingen die ersten 17 ausgebildeten Lehrkräfte für „Islamische Religionslehre“. Schulministerin Gebauer betonte das Ziel, bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht weiter auszubauen (Schule NRW 06/2018, S. 19f.). Doch auch die Einführung von islamischem Religionsunterricht (124.082 Grundschüler/innen) neben dem katholischen, dem evangelischen und den anderen vertieft die Separation der Schüler/innen. *)

Vor einem Jahr versprachen CDU und FDP mit ihrer Regierungserklärung, auch „Ethik-Unterricht an Grundschulen zu ermöglichen“. Aber salopp gefragt, was interessiert die gewöhnliche Politik ihr Geschwätz von gestern. Über 120.000 Grundschulkinder kommen weiterhin Woche für Woche u.U. in eine entwürdigende Lage, wenn sie zum „Heiden hüten“ geschickt werden, während es für den Rest der Klasse regulären Religionsunterricht gibt. *)

Ein Schulversuch zum „Ethikunterricht in der Grundschule“ scheint derzeit nicht einmal in der Planung. Aber worin könnte ein praktischer Schritt hin zu einem nicht religiös begründeten bzw. beeinflussten Werteunterricht in der Grundschule bestehen? Die Klärung z.B. des Ansatzes „Philosophieren mit Kindern“ mittels einer Lehrerfortbildung wäre sicher eine gute Unterstützung der Lehrkräfte. Die GEW NRW scheint an der Durchführung einer solchen Maßnahme unter ihrer Regie nicht interessiert. Trotz wiederholter Anfragen mit Gestaltungsvorschlägen gab es keine Rückmeldung dazu.

Ein kleiner Bildungsverein ist nun Träger für ein Wochenend-Seminar des Humanistischen Verbandes im Oktober. Der HVD NRW will zwar versuchen, seinen eigenen „Humanistischen Lebenskunde-Unterricht“ in der Schule unterzubringen, jedoch gab es auch Sympathie für die o.g. Grünen-Initiative. So laden die Humanisten nun zu einer Familienfreizeit zum Thema „weltliche Erziehung“.

Angesichts der immensen Aufgabe, Ethikunterricht an Grundschulen einzuführen und der diesbezüglich desolaten Ausgangssituation in NRW, erscheint diese HVD-Initiative etwas mikroskopisch, aber vielleicht kommt ja noch etwas …


*) Quelle: „Amtliche Schuldaten zum Schuljahr 2017/2018“, S. 25, download hier (17 MB)

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Bericht veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.