Kleine Schritte bei der GEW

Die Fachgruppe Grundschule der GEW NRW erklärt: „Ein neues Fach braucht gute Vorbereitung!“ Gemeint ist ein Unterrichtsfach in der Grundschule zur bekenntnis-unabhängigen „Werte-Orientierung“. Diese Erklärung markiert eine vorsichtige Annäherung der GEW-NRW an ein brisantes Thema – ohne dabei inhaltlich zu sehr vorzupreschen.

Immerhin hatte die Kölner GEW bereits 2016 zum NRW-Gewerkschaftstag die Forderung auf „gemeinsame Werteerziehung aller Schülerinnen und Schülern, als Pflichtfach für alle in allen Jahrgangsstufen in NRW an Stelle des Religionsunterrichts“ erhoben. Im Mai 2017 gab es zum Gewerkschaftstag den Antrag auf „Einführung eines Pflichtfaches zur Werte-Orientierung für alle Schüler*innen aller Jahrgänge und Schularten“.

Nun zieht die Fachgruppe Grundschule der GEW NRW mit nachfolgend dokumentierter Erklärung in der GEW-Mitgliederzeitschrift NDS*) nach:

Ein neues Fach braucht gute Vorbereitung!

Der Antrag der GRÜNEN und der Koalitionsvertrag von CDU und FDP eröffnen mit der Forderung nach einem neuen Ersatzfach eine neue Baustelle in der Primarstufe – ohne dass bereits begonnene Projekte erfolgreich umgesetzt worden wären. Das muss gut begründet und noch besser vorbereitet werden.

Vor der Einführung eines bekenntnisunabhängigen Fachs auch in den Grundschulen – in Anlehnung an „Praktische Philosophie“ in der Sekundarstufe I und II – müssen drei grundsätzliche Fragen geklärt werden:

* Wie wird das Fach in die Stundentafel eingebunden – als neunte Gruppe zu den acht bisher zugelassenen Religionsgruppen oder als neues Fach für alle?
* Welche Inhalte sollen vermittelt werden – wie sieht der Lehrplan aus?
* Wer unterrichtet dieses Fach und wie werden die Kolleg*innen dafür aus- und fortgebildet?

Jedes neue Fach führt zu einem neuen Bedarf an gut ausgebildeten Lehrkräften, die es jedoch gerade in den Grundschulen auch in den nächsten Jahren nicht geben wird. Jetzt bietet sich die Möglichkeit, alte Fehler nicht zu wiederholen: So müssen vor Einführung des neuen Fachs die genannten Fragen nicht nur beantwortet, sondern auch die konkrete Umsetzung in den Schulen gut vorbereitet sein.

An diesem Prozess wird sich die GEW-Fachgruppe beteiligen und dabei die Erfahrungen der Schulen aufgreifen, in denen viele Schüler*innen nicht am angebotenen Religionsunterricht teilnehmen. Und sie wird auch in die acht Bundesländer schauen, in denen das Fach unter unterschiedlichen Bezeichnungen – als „Ethik“, „Philosophieren“ oder „Werte und Normen“ – und Bedingungen bereits eingeführt wurde.

Die Diskussion in der Fachgruppe hat begonnen und wird fortgeführt.

Rixa Borns, Leitungsteam der Fachgruppe Grundschule der GEW NRW

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*) Prof. Blesenkemper bringt die Fragestellung in seinem Gastbeitrag in der GEW-Mitgliederzeitschrift NDS auf den Punkt: „Philosophieren in der Grundschule: Wertebildung fest verankern“ [Auszug aus NDS 1-2018]

 

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