Kirchen geben ihren Segen: Pro Ethikunterricht in NRW

Das „Katholische Büro NRW, Vertretung der Bischöfe in NRW“ hat gemeinsam mit dem „Amt des Beauftragten der Evangelischen Kirchen bei Landtag und Landesregierung von NRW, Ev. Büro NRW“ zur Landtagsanhörung am 6. Dezember 2017 zum Antrag „Philosophie verleiht Flügel!“ der Grünen-Fraktion eine Stellungnahme abgegeben.

Das Faktum zunehmend konfessionsfreier Kinder in Grundschulen wird von beiden Kirchen anerkannt. Die Einrichtung eines Ersatzfaches wird als „sinnvoll“ angesehen für alle, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen. So „ist diesem Wunsch aus der Sicht der Kirchen Rechnung zu tragen.“ Könnte das ein Signal an die Christ-Demokraten im Landtag sein?
Weiterhin ist die Rede von „Sichtung und Beratung des vorliegenden Forschungsstandes“, der Ausbildung der Lehrkräfte für dieses Fach sowie anstehenden curricularen Vorbereitungen. Man macht sich also bereits konkrete Gedanken? Wobei Prof. Blesenkemper (Uni Münster) gleich weiterhelfen und auf den Lehrplan-Entwurf des Philosophie-Lehrerverbandes NRW ansprechen konnte.

Die Gedanken der Kirchenvertreter beziehen sich auf die Ausgestaltung der Arbeit des Schulministeriums, welches sich zu dieser Sache allerdings bei der Gelegenheit nicht geäußert hat. Vielmehr ist seit über einem halben Jahr zu diversen Themen der aktuellen Bildungspolitik immer wieder etwas zu vernehmen, außer zu „Ethikunterricht an Grundschulen“ (siehe Koalitionsvertrag).
Auch in der Schulmail vom 21.12.2017 an „alle Schulen in Nordrhein-Westfalen: Informationen von Ministerin Gebauer über aktuelle Entwicklungen der Schulpolitik zum Jahresende“ heißt es, „Heterogenität und Inklusion stellen die Grundschulen vor große Herausforderungen“. Die in der Kirchen-Stellungnahme eingeforderte „Auseinandersetzung mit existenziellen sowie Sinn- und Wertfragen“ spielte indessen keine Rolle (siehe auch RP-Interview vom 3. Jan.)

Bei der Landtagsanhörung am 6. Dez. zum Grünen-Antrag „Philosophie verleiht Flügel!“ fehlte der Humanistische Verband NRW K.d.ö.R. In seiner nachgereichten Stellungnahme wird die Einführung eines Faches „Philosophieren mit Kindern“ oder „Praktische Philosophie“ an Grundschulen positiv gesehen. Der HVD NRW machte bei der Gelegenheit auf „Humanistische Lebenskunde“ aufmerksam, die es zwar in Berlin gibt, für NRW jedoch etwas visionär erscheint.
Interessant ist die Forderung der Initiative „Kurze Beine – kurze Wege“ wie auch des HVD NRW, die staatlich finanzierten, aber konfessionell geprägten Bekenntnis-Grundschulen in die weitere Planung zu einem bekenntnis-unabhängigen Werteunterricht einzubeziehen.

Zum Jahreswechsel werden vielfach gute Vorsätze formuliert. So erwarten konfessionslose Eltern für über 120.000 Kinder in NRW „Ethikunterricht an Grundschulen“. Wird dieser Wunsch erhört?

Quelle: Stellungnahmen zur Ausschuss-Sitzung
www.landtag.nrw.de/portal/WWW/Webmaster/GB_I/I.1/aktuelle_drucksachen/aktuelle_Dokumente.jsp?docTyp=ST&wp=15&dokNum=Drs+17%2F533&searchDru=suchen

link zum Protokoll d. Ausschuss-Sitzung:
http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMA17-119.pdf

 

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