Religion und Ethik an Grundschulen in NRW

Gastbeitrag von Max Ehlers, Initiative „Kurze Beine – Kurze Wege“

Vor kurzem ging eine erstaunliche Nachricht durch die Presse. Ausgerechnet in dem Bundesland, das laut Verfassung noch eine Trennung katholischer und evangelischer Kinder einem Drittel seiner öffentlichen Schulen, setzen sich die Kirchen für einen „konfessionell-kooperativen“ Religionsunterricht ein. Das Schulministerium hat dafür bereits die rechtlichen Rahmenbedingungen für einen solchen ökumenischen Religionsunterricht and Grundschulen geschaffen. Damit reagieren die Kirchen nach eigenen Angaben darauf, dass immer weniger Schulkinder einer der beiden christlichen Konfessionen angehören, sie aber dennoch gemeinsam den Religionsunterricht besuchen.

Entsprechend offener soll der Religionsunterricht gestaltet werden. Ob auch Bekenntnisgrundschulen einen solchen gemeinsamen Religionsunterricht anbieten können, ist nicht klar. Im Erzbistum Köln können Schulen diesen Weg ohnehin noch nicht beschreiten, hier will man zunächst abwarten, wie der „Versuch“ in den anderen Landesteilen läuft.

Auch die 2017 neu gewählte Landesregierung reagiert auf den Rückgang getaufter Kinder. Immerhin stellen konfessionslose Kinder mittlerweile bereits die drittgrößte Gruppe an Grundschulen in NRW dar. Im Koalitionsvertrag von CDU und FDP heißt es (s. 12):

„Neben vielfältigeren religiösen Bekenntnissen ist auch die Anzahl der Familien ohne konfessionelle Bindung angewachsen. Daher werden wir Ethikunterricht an Grundschulen ermöglichen.“

Es wäre in der Tat sinnvoll, einen Schulversuch durchzuführen, um innerhalb der nächsten 4 Jahre alle erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen, um ein Unterrichtsfach Ethik oder Praktische Philosophie als Regelangebot an allen staatlichen Grundschulen einzuführen.

Selbstverständlich müssen Bekenntnisgrundschulen in diesen Schulversuch einbezogen werden. Auch an diesen Schulen sind im Landesdurchschnitt 20% (evang. Grundschulen) bzw. 16,1% (kath. Grundschulen) der Schülerinnen und Schüler konfessionslos.

(Quelle für alle Zahlen: Quantita 2016, S. 26)


Die Initiative „Kurze Beine – kurze Wegesetzt sich u.a. dafür ein, dass „Kinder an öffentlichen Schulen keinen Religionsunterricht in einem Bekenntnis besuchen müssen, dem sie nicht angehören“.

mehr Info: hier Flyer

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