NRW-Schulversuch „Ethikunterricht an der Grundschule“

Im Koalitionsvertrag NRW heißt es „… werden wir Ethikunterricht an Grundschulen ermöglichen. Was ist konkret damit gemeint und wie könnte dieses Vorhaben ggf. als Modell-Projekt wie in Niedersachsen umsetzt werden? Haben die NRW-Koalitionäre vielleicht einen Unterricht im Sinne von „Humanistischer Lebenskunde“ gemeint?

Diese „Lebenskunde würde alternativ zum konfessionellen Religionsunterricht durchgeführt, wenn die Eltern von mind. 12 Kindern dieses wünschten. Das wäre eine Lösung z.B. im Sinne des Humanistischen Verbandes (siehe Berlin). Wahrscheinlich zielt die Passage „Ethikunterricht an der Grundschule“ im Regierungsprogramm aber auf das Unterrichtsfach „Praktische Philosophie“.

Das gibt es seit Jahren in vielen Schulen NRWs für die Jahrgangsstufen 5 bis 10. Diesen Unterricht müssen alle Schüler/innen besuchen, die nicht am konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen. Teils als „Heidenhüten“ bezeichnet, wird die „Praktische Philosophie“ von fortgebildeten Lehrkräften in Schulen der Sekundarstufe I unter staatlicher Aufsicht durchgeführt – aber nicht an Grundschulen.

Wenn es also um dieses Fach geht und das Schulministerium einen entsprechenden Schulversuch starten will, um „Ethikunterricht an der Grundschule“ zu ermöglichen, könnte das Projekt etwa folgende Eckpunkte aufweisen:

  • Jede der fünf Bezirksregierungen benennt dem Ministerium drei Grundschulen aus verschiedenen Schulamtsbezirken. Darunter sollte jeweils eine Bekenntnis-Grundschule sein, die ja ein Drittel aller Grundschulen darstellen.
  • Die Schulkonferenz der betreffenden Grundschule berät den Eintritt in diesen Schulversuch und sollte ihm zustimmen. Grundschulen dürfen sich auch in eigener Initiative bewerben, wenn ein entsprechender Beschluss der Schulkonferenz vorliegt.
  • Der Unterricht wird zunächst in der Jahrgangsstufe 3 aufgenommen und im Jg. 4 fortgeführt. Als Grundlage kann der Lehrplanentwurf des Fachverbandes Philosophie dienen. Für die Durchführung des Unterrichts werden Lehrkräfte aus der Sek.-Stufe I zur Grundschule mit begrenzter Stundenzahl abgeordnet. Das wären landesweit zunächst zwei bis drei Stellen, vielleicht vier.
  • Der Schulversuch startet mit dem Schuljahr 2018/2019. Am Ende des Schuljahres wird die Umsetzung evaluiert. Weitere Schulen dürfen sich zum Schuljahr 2019/2020 bewerben. Mit Beginn des Schuljahrs 2020/2021 wird der Schulversuch auch den Unterricht in den Jahrgangsstufen 1 und 2 betreffen.
  • Bei der Entwicklung dieses Projektes wird auf die Erfahrungen mit der Einführung des „islamischen Religionsunterrichts“ sowie den „mennonitischen Religionsunterricht“ zurückgegriffen. Das Landesinstitut für Schule („QUA-LiS NRW“) leistet entsprechende Unterstützung.
  • Bis zum Ende der laufenden Legislaturperiode im Jahre 2022 werden durch die Landesregierung alle rechtlichen, curricularen und personellen Voraussetzungen geschaffen, das Unterrichtsfach „Praktische Philosophie“ als Regelangebot für die Grundschule zu ermöglichen.

Diese Skizze ist ein Phantasie-Produkt! Aber vielleicht kann ein erster Eindruck zu einem ambitionierten Fahrplan entstehen …

Wie kann dieses Thema breiter in die Öffentlich gebracht werden?

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