Probejahr „Werte und Normen“ startet 2017

Bekenntnisfreier Werteunterricht in Zukunft auch an Grundschulen

von Monika Sass-Dardat, Vizepräsidentin des HVD Niedersachsen

Mit Beginn des Schuljahres 2017/2018 erprobt das Land Niedersachsen an sieben Grundschulen das Fach „Werte und Normen“. Damit berücksichtigt die Regierung die Wünsche vieler Eltern nach einer Alternative zum Religionsunterricht von der 1. bis zur 4. Klasse.

Der Humanistische Verband Deutschland, Niedersachen, K.d.ö.R. (HVD) und der „Fachverband Werte und Normen – ethische und humanistische Bildung in Niedersachsen e. V.“ (FV-WuN) machen sich schon seit Jahren dafür stark, das Fach „Werte und Normen“ auch in der Primarstufe einzuführen. Grund dafür ist die steigende Zahl konfessionsfreier Kinder, die in Niedersachsen bereits die zweitgrößte Gruppe darstellt, wie das Kultusministerium kürzlich mitteilte. Demnach gehören von etwa 278.000 Grundschülern rund 72.800 keiner Religion an.

Wir freuen uns, dass das Kultusministerium mit der Probephase einen ganz entscheidenden Schritt in die richtige Richtung getan hat. Zurückzuführen ist diese Entscheidung sicherlich auch auf die vom HVD und FV-WuN durchgeführte Petition, zahlreiche Podiumsdiskussionen, Lehrerfortbildungen des HVD und anregende Gespräche mit den im Landtag vertretenden Parteien.

Das Land Niedersachsen zeigt mit dem Testlauf des Faches „Werte und Normen“, dass es offen ist gegenüber vielfältigen Religionen und Weltanschauungen. Dies ist nur konsequent und zeitgemäß, wenn man bedenkt, dass sich in der Sekundarstufe I, wo das Pflichtfach seit 1974 angeboten wird, knapp 30 Prozent der Schüler für „Werte und Normen“ entscheiden. In der Grundschule nehmen dagegen noch die meisten nicht getauften Kinder am Religionsunterricht teil, immerhin neun Prozent lassen sich befreien.

„Wir vernehmen vermehrt den Wunsch von Eltern nach einem Alternativfach für Grundschülerinnen und Grundschüler, die nicht an einem bekenntnisorientieren konfessionellen Unterricht teilnehmen wollen“, sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am 30. Mai 2017. „Der offene Dialog über Fragen des Glaubens und Nichtglaubens muss geführt werden.“

„Das Fach ‚Werte und Normen‘ bietet dazu den notwendigen Rahmen, da in ihm nicht nur ethisch und gesellschaftspolitisch relevante Fragestellungen diskutiert, sondern auch dezidiert religionskundliche Inhalte vermittelt werden“, so Markus Rassiller, Vorsitzender des FV-WuN. „Das Fach ‚Werte und Normen‚ leistet daher auch einen eminent wichtigen Beitrag zum interreligiösen Dialog – es wirkt integrativ auf vielfältige Weise.“

Das Alternativfach wird an den sieben Grundschulen von Lehrkräften durchgeführt, die eine Lehrbefähigung für „Werte und Normen“ an weiterführenden Schulen besitzen und bereits andere Fächer an Grundschulen unterrichten.

Der Unterricht wird in der einjährigen Testphase vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) begleitet. Danach wird die zukünftige Landesregierung entscheiden, ob „Werte und Normen“ in ganz Niedersachen an Grundschulen eingeführt wird. Dazu muss sie noch einen Studiengang und Fachseminare einrichten sowie ein Kerncurriculum erstellen.

Inzwischen hat sich bekanntlich die politische Situation etwas verändert. In Niedersachsen stehen Landtagswahlen an und damit die Frage im Raum: „Was wird nach der Wahl?“. Doch wir bleiben ganz gelassen. Da dieses Entwicklungsvorhaben nun einmal angelaufen ist, machen wir uns keine Sorgen.

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