Vor 10 Jahren in NRW: glücklose Initivative zur „Lebenskunde“

Im Januar 2014 teilte der Humanistische Verband NRW mit, dass er sich von der Einführung der „Humanistischen Lebenskunde“ in NRW erfolglos zurückzieht. Seine Vorstellung eines Werte bildenden Unterrichts konnte der Verband damals in NRW nicht etablieren. 
Am 14.01.2014 wollte das OVG Münster über die Einführung von Lebenskunde-Unterricht an Schulen in NRW entscheiden. Es sollte ein wichtiger Schritt für die Gleichstellung nichtreligiöser Menschen in Deutschland unternommen werden. Der Humanistische Verband NRW hatte seine Klage jedoch nach Jahren zurückgezogen – auf Anraten des Gerichts. Das Gericht hatte seinerseits wohl weniger die Gleichbehandlung von Weltanschauungs- und Religionsgemeinschaften im Auge. Vielmehr wurde der Antrag salopp ausgebremst mit der Frage nach der Mitgliedschaft von Kindern im HVD NRW. Diese war und ist nach Vorstellung des Verbandes grundsätzlich erst mit der Religionsmündigkeit, also ab dem 14. Lebensjahr vorgesehen.

Die Einführung von „Humanistischer Lebenskunde“ als reguläres Unterrichtsfach an den Schulen des Landes hatte der HVD NRW bereits im Jahre 2007 beantragt. Der damalige Antrag wurde von der CDU-Schulministerin umgehend abgelehnt. Das angerufene Verwaltungsgericht Düsseldorf brauchte danach vier Jahre für die Bestätigung dieser Entscheidung und betonte dabei seine Ansicht, dass Religionsunterricht gegenüber weltanschaulichen Alternativfächern durch das Grundgesetz privilegiert sei.

Dann gingen die Humanisten zum OVG Münster. Dort sollte weiter versucht werden, durch Berufung auf das Grundgesetz die Gleichbehandlung mit den Religionsgemeinschaften auf dem Rechtsweg zu erlangen. Seitens des Verbandes war auch vorgebracht worden, dass er konkrete Vorbereitungen träfe, die Einführung des Faches im Raum Dortmund zu unterstützen, z.B. durch Stellung und Weiterbildung entsprechender Lehrkräfte. Auch wurde verwiesen auf die Jahrzehnte lange Praxis des Lebenskunde-Unterrichts in Berlin und Brandenburg. Das spielte jedoch für das Gericht keine Rolle.

So gibt es bis heute in NRW weder humanistische Wertebildung für Kinder nichtreligiöser Menschen, noch ein bekenntnis-unabhängiges wertebildendes Fach für alle Schüler/innen. Mit seiner damaligen Selbstbeschränkung auf ein rein juristisches Vorgehen hatte der HVD NRW seiner Sache allerdings keinen großen Gefallen getan.

Von seiner Weiterbildung von Lehrkräften war später nichts mehr zu hören. Auch die Einbeziehung interessierter Eltern und eine gute Öffentlichkeitsarbeit lagen damals wohl weniger im Fokus der Verbandsaktivitäten. Mit den Erfahrungen des ersten Anlaufs im Hinterkopf und der veränderten politische Konstellation könnte ein neuer Versuch gewagt werden. Auch wenn es derzeit nicht um Lebenskunde geht, könnte es sich lohnen, die neue Landesregierung beim Wort zu nehmen und gemeinsam mit anderen ernsthaften Akteuren dafür einzutreten, „Ethikunterricht an Grundschulen [zu] ermöglichen“ – dann auch mit Erfolg.

mehr Info unter www.HVD-NRW.de

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