„… werden wir Ethikunterricht an Grundschulen ermöglichen“

Der Koalitionsvertrag für NRW von CDU und FDP *) beginnt mit wohlfeilen Allgemeinplätzen über die breite kulturelle und regionale Vielfalt unseres Bundeslandes. Christdemokraten und Freie Demokraten versprechen, unser Land freier und sicherer, fairer und moderner zu gestalten. (S. 1) Das klingt gut, aber kommen wir gleich zur Sache.

Nach einigen Ausführungen zur Grundschule steht auf Seite 12 ein kleiner Absatz allein da, der es in sich haben könnte: „Neben vielfältigeren religiösen Bekenntnissen ist auch die Anzahl der Familien ohne konfessionelle Bindung angewachsen. Daher werden wir Ethikunterricht an Grundschulen ermöglichen.“

Unter dem Postulat „Freiheit und Eigenverantwortung für unsere Schulen“ wird ein „Schulfreiheitsgesetz“ in Aussicht gestellt, um „mehr Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen, damit [die Schulen] ihre Ideen besser verwirklichen und die erweiterten Handlungsspielräume vor Ort erfolgreich nutzen können. … Dies bedeutet mehr pädagogische Freiheit etwa bei der Bildung von Lerngruppen innerhalb einer Schule“. Flankierend werden „mehr organisatorische Freiheiten eröffnet.“ (S. 10)

Rund ein Drittel der Grundschul-Eltern ist konfessionsfrei und die hoffen auf ein Ende des peinlichen „Heidenhütens“. In diesem Rahmen werden derzeit abertausende religionsfreie Grundschüler „verwahrt“, die nicht am – meist christlichen – Religionsunterricht teilnehmen. Dürfen sich die Grundschulen in NRW also bald auf die Einführung des Unterrichtsfaches „Praktische Philosophie“ einstellen?

Am Ende des Koalitionsvertrages von CDU und FDP geht es um die Förderung des sozialen und gesellschaftlichen Zusammenhalts (S. 92). Dazu wird nur eine verengte religiöse Perspektive ausgeführt – betreffend Christen, Juden und Moslems. Aber es steht „Wertevermittlung“ in Aussicht: „Wir werden eine Offensive für Wertevermittlung in Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen starten, die sich nicht nur an Einwanderer richtet, sondern demokratische Bildung für alle zum Ziel hat.“ (S. 110)

Wer denkt da nicht an Ethik-Unterricht für alle? Die Bereitschaft zur Mitgestaltung ist bei den Verbänden der Konfessionsfreien wohl gegeben. Die Politik müsste sich nur trauen! Bei der zuletzt grünen Schulministerin hatte es in dieser Sache über sieben Jahre keine Entwicklung geben.

Jetzt liegt das Vorschlagsrecht für den Geschäftsbereich Schule bei der FDP.
Es lohnt sich genau hinzusehen, was daraus gemacht wird.

 

*) Abruf am 18.06.2017 unter www.cdu-nrw.de/sites/default/files/media/docs/vertrag_nrw-koalition_2017.pdf

 

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