Nach der Landtagswahl NRW: Ethik-Unterricht für alle!

Mancher fragt sich, ob die ganzen Religionsunterrichte in NRW nicht bereits genug Ethik in die Schulen bringen: katholisch, evangelisch, orthodox, syrisch-orthodox, islamisch, alevitisch und (versuchsweise) mennonitisch. Die unlängst abgewählte grüne Ministerin Löhrmann sah darin die Möglichkeit, das „gesellschaftliche Miteinander zu gestalten“: Integration durch Segregation?

Einige Alternativen zum Religionsunterricht

Humanismus und Schule“ heißt eine Arbeitsgemeinschaft des Humanistischen Verbandes NRW und die gleichnamige Website bietet Infos für Eltern, Schüler, Lehrkräfte zum allgemeinen Ethik-Unterricht und über das Unterrichtsfach „Humanistischen Lebenskunde“, dass in Berlin seit Jahrzehnten als Alternative zum konfessionellen Religionsunterricht etabliert ist.

Der Gewerkschaftstag der GEW präsentierte unlängst die Forderung: „Einführung eines Pflichtfaches zur Werte-Orientierung für alle Schüler*innen aller Jahrgänge und Schularten in allen Bundesländern, in dem ein gemeinsamer, bekenntnisunabhängiger schulischer Werte-Unterricht erfolgt“. Wie bald nun die GEW NRW diese Vorlage aufgreift, bleibt zu abzuwarten. Interesse am Thema scheint jedenfalls vorhanden.

Die Landesschüler/innen-Vertretung NRW will hingegen den bisherigen Religionsunterricht abschaffen und das bereits bestehende Fach „Praktische Philosophie“ für alle Schüler/innen in NRW verpflichtend eingeführt sehen.

Der „Internationale Bund für Konfessionslose und Atheisten“ (IBKA) präferiert ebenfalls die Abschaffung des konfessionellen Religionsunterrichtes und empfiehlt vorerst die individuellen Abmeldung. IBKA würde ggf. einen allgemeinen Religionskunde-Unterricht akzeptieren. Das „Säkulare Netzwerk NRW“ wollte von den Landtagskandidaten u.a. wissen, ob sie einen „integrativen Ethikunterricht vom ersten Schuljahr an einrichten“ würden.

Ethik-light oder Einstieg in Religionskunde?

Der Fachverband Philosophie NRW hatte schon vor Jahren einen Lehrplan zur „Praktische Philosophie Grundschule“ entworfen. Die damalige grüne Ministerin wollte davon letztlich nicht viel wissen.

Andererseits steht der partei-grüne Vorschlag im Raum, ergänzend zum Bekenntnis orientierten Religionsunterricht in NRW das Fach „Philosophieren mit Kindern“ in der Grundschule einzuführen. Vielleicht zieht die SPD mit einer ähnlichen Idee nach? Die pointierte Vorstellung der Linken.NRW zu einem gemeinsamen Schulfach „LER“ (Lebenskunde, Ethik, Religionen) wird eine denkbare Landtagsdebatte jedoch nur indirekt beeinflussen können.

Interessant wäre die Erinnerung an die FDP-Forderung bzgl. Ethikunterricht für die Grundschulen in NRW. Da sollte sich das Nachfragen lohnen – gerade während der laufenden Koalitionsverhandlungen!

Wie könnte es weiter gehen?

Ein handlungsfähiger Akteur müsste die Initiative ergreifen und die potentiell Interessierten kontaktieren. Das könnte eine pädagogische Zeitschrift sein oder eine entspr. thematisch engagierte Organisation (s.o.).

Vielleicht ließe sich mit einem „Runden Tisch“ starten? Als Ausgangspunkt für ein Symposium? Am Ende mit einer gemeinsamen Erklärung an die Adresse der neuen Landesregierung?

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