Starke Forderungen

Im Editorial der HVD-Zeitschrift „diesseits“ Nr. 117 stellt deren Herausgeber, Michael Bauer, drei starke Forderungen in den Raum. Das Postulat „religionskundliches Fach für alle“ findet derzeit wohl breite Zustimmung bei vielen halbwegs säkular orientierten Menschen. Auf dem politischen Parkett wird es allerdings schon etwas glatter.

Aber wo ist eine wirkmächtige Initiative zu sehen, ein „religionskundliches Fach für alle“ bundesweit einzuführen? Unklar ist derzeit nicht nur in NRW, wer der potente Träger dazu sein könnte?

„Humanistische Lebenskunde“

Da wird immer auf Berlin und Brandenburg gezeigt und einige „gallische Dörfer“. Aber wer wäre der bundesweit starke Protagonist? Zudem stammt der Rahmenlehrplan des Humanistischen Verbandes aus dem Jahr 2008 und besteht im Wesentlichen aus einer Themenliste. Das vermag nicht recht zu überzeugen?

„‚Ethik‘ ist nicht unser Fach“

Dabei könnte man z.B. in NRW an das Unterrichtsfach „Praktische Philosophie“ denken. Das wird lediglich in den Jahrgangsstufen 5 bis 10 und in der Gymnasialen Oberstufe angeboten, soweit es Lehrkräfte gibt. Aber an den Grundschulen in NRW existiert dieses Angebot nicht, sondern gewöhnlich werden „Heiden“ und andere Nicht-Christen mit Spielfilm-Videos etc. bestenfalls ruhig gestellt.

Da stellt sich die Frage, wieso sollte „Ethik“ bzw. „Praktische Philosophie“ in der Grundschule NRW nicht „unser Fach“ werden? Wessen Fach wäre es denn dann? Wer die Christen-Lobby in unserer Kirchen-Republik kennt, hat doch eine Ahnung davon, wer sonst das Sagen haben könnte.

So scheint es lohnend darüber nachzudenken, wie bzw. wer auf die Ausgestaltung so eines Faches Einfluss gewinnen könnte. Zunächst wäre es gut, wenn es Verabredungen gäbe, weltlich-humanistischen Vorstellungen in den Werte bildenden Unterricht einzubringen. Derzeit überwiegen offenbar verbandsinterne gegenseitige Versicherungen.

Nach einem jahrelangen letztlich ergebnislosen Rechtsstreit des HVD NRW um den Lebenskunde-Unterricht in NRW ist die Sondierung mit Blick auf neue Ansätze unlängst wieder aufgenommen worden. Es stellt sich die Frage, wer die tragenden Kräfte sein können und wer Mitstreiter und Konkurrenten und somit an welcher Stelle Humanist/innen, Freidenker/innen und Atheist/innen sich in diese (voraussichtlich) Jahrzehnte dauernde Aufgabe einbringen können!

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